Glycolsäure richtig anwenden: Die 5 Fehler, die Ihre Hautbarriere zerstören
Glycolsäure: Zwischen Glow-Versprechen und Barriereschaden
Kaum ein Wirkstoff polarisiert in der Hautpflege so stark wie Glycolsäure. Auf der einen Seite stehen die Vorher-Nachher-Bilder: ebenmäßiger Teint, verfeinertes Porenbild, dieser gläserne Schimmer, den die Kosmetikindustrie seit Jahren als „Glow” verkauft. Auf der anderen Seite kursieren Berichte über gerötete, brennende Gesichter, über Pigmentflecken, die nach der Anwendung schlimmer aussehen als vorher, über eine Haut, die plötzlich auf jedes Produkt empfindlich reagiert.
Beide Seiten haben recht. Und genau das ist der Punkt, den viele übersehen: Glycolsäure ist kein Produkt, dessen Wirkung feststeht, sobald man es kauft. Sie ist ein Werkzeug, dessen Ergebnis fast ausschließlich davon abhängt, wie man es einsetzt. Wer sie sinnvoll dosiert, richtig kombiniert und konsequent mit Sonnenschutz begleitet, bekommt einen der am besten erforschten Anti-Aging-Wirkstoffe überhaupt. Wer sie täglich aufträgt, weil es sich „nach Wirkung anfühlt”, ruiniert innerhalb weniger Wochen seine Hautbarriere.
Geeignet ist Glycolsäure für normale, ölige und Mischhaut, für Menschen mit ungleichmäßigem Hautbild, feinen Linien, Verhornungsstörungen oder Post-Akne-Marken. Vorsicht ist geboten bei sehr trockener, empfindlicher oder entzündeter Haut. Und in bestimmten Fällen – dazu später mehr – ist der Wirkstoff schlicht die falsche Wahl.
Was ist Glycolsäure?
Glycolsäure gehört zur Gruppe der Alpha-Hydroxysäuren, kurz AHA. Ursprünglich wurde sie aus Zuckerrohr gewonnen, in der modernen Kosmetikproduktion wird sie überwiegend synthetisch hergestellt – identisch in der Molekülstruktur, aber deutlich reiner und stabiler.
Das entscheidende Detail: die Molekülgröße
Mit einem Molekulargewicht von rund 76 Dalton ist Glycolsäure das kleinste Molekül innerhalb der AHA-Familie. Zum Vergleich: Milchsäure liegt bei etwa 90 Dalton, Mandelsäure bei rund 152. Diese Zahl klingt nach Chemiestunde, hat aber unmittelbare Konsequenzen für die Praxis. Je kleiner das Molekül, desto tiefer dringt es in die Hornschicht ein – und desto stärker sind Wirkung und Reizpotenzial. Genau deshalb gilt Glycolsäure als effektivste, aber auch als anspruchsvollste Fruchtsäure.
Abgrenzung zu BHA und PHA
Salicylsäure, eine Beta-Hydroxysäure, ist fettlöslich und arbeitet deshalb im Talgkanal – die Wahl bei Mitessern und unreiner Haut. Gluconolacton und Lactobionsäure, sogenannte Polyhydroxysäuren, besitzen sehr große Moleküle, wirken oberflächlicher und sind entsprechend milder. Sie sind der sinnvolle Einstieg für empfindliche Haut. Glycolsäure liegt am anderen Ende des Spektrums.
Warum „10 Prozent” nichts aussagt
Die Prozentzahl auf der Verpackung ist nur ein Drittel der Information. Entscheidend ist zusätzlich der pH-Wert der Formulierung und der daraus resultierende Anteil freier Säure. Eine Zehn-Prozent-Formulierung bei pH 3,5 wirkt spürbar, dieselbe Konzentration bei pH 4,5 kaum. Umgekehrt kann ein niedrig konzentriertes Serum mit aggressivem pH stärker reizen als ein höher dosiertes, gut gepuffertes Produkt. Seriöse Marken geben beide Werte an. Fehlt der pH-Wert, ist Skepsis angebracht.
Wie Glycolsäure in der Haut wirkt
Die abgestorbenen Zellen der Hornschicht werden von Corneodesmosomen zusammengehalten – man kann sie sich als zellulären Klebstoff vorstellen. Glycolsäure löst diese Verbindungen, wodurch sich die oberste Zellschicht schneller ablöst. Das Ergebnis ist keine „Schälung” im wörtlichen Sinn, sondern eine beschleunigte, gleichmäßigere Zellerneuerung.
Interessant wird es darunter. Studien zeigen, dass Glycolsäure bei regelmäßiger Anwendung in der Dermis die Bildung von Kollagen und Glykosaminoglykanen anregt – jenen Molekülen, die Feuchtigkeit binden und der Haut Spannkraft geben. Diese Effekte brauchen Zeit: Sie zeigen sich nach Monaten, nicht nach Tagen.
Bei Hyperpigmentierungen greift Glycolsäure gleich doppelt an. Sie beschleunigt den Abtransport melaninhaltiger Zellen und beeinflusst gleichzeitig die Verteilung des Pigments in der Oberhaut. Post-Akne-Flecken und Sonnenschäden verblassen dadurch schneller.
Was Glycolsäure nicht leistet: Sie verkleinert keine Poren – deren Größe ist genetisch festgelegt, sie wirken nach der Anwendung lediglich weniger verstopft. Sie behandelt keine aktive Akne im eigentlichen Sinn. Und sie ersetzt kein Retinoid, wenn es um tiefe Falten geht.
Vorteile im Überblick
Der sichtbarste Effekt tritt am schnellsten ein: ein ebenmäßigeres Hautbild und ein verfeinertes Porenrelief, oft schon nach zwei bis drei Anwendungen. Mit den Wochen folgt die Reduktion feiner Linien, besonders im Wangen- und Stirnbereich. Sonnenflecken, Melasma und Post-Akne-Marken hellen bei konsequenter Anwendung über zwei bis drei Monate sichtbar auf.
Ein oft unterschätzter Nebeneffekt: Durch die gelockerte Hornschicht nehmen nachfolgende Pflegeprodukte deutlich besser auf. Wer Seren mit Peptiden oder Niacinamid verwendet, holt aus ihnen nach einer Glycolsäure-Routine mehr heraus.
Am Körper spielt Glycolsäure ihre Stärke bei Verhornungsstörungen aus. Keratosis pilaris – die typischen rauen Pünktchen an Oberarmen und Oberschenkeln – reagiert häufig sehr gut auf Körperlotionen mit fünf bis zehn Prozent Glycolsäure.
Nachteile, Nebenwirkungen und Risiken
Reizung: normal, unangenehm oder Warnsignal?
Ein kurzes Kribbeln oder leichtes Wärmegefühl von wenigen Sekunden bis zu einer Minute ist unbedenklich. Brennen, das länger als fünf Minuten anhält, ist ein Warnsignal. Anhaltende Rötung über Stunden, Spannungsgefühl am Folgetag oder feine Schuppung außerhalb der ersten Anwendungswoche zeigen an, dass die Dosis oder die Frequenz zu hoch ist.
Photosensibilisierung
Glycolsäure erhöht die UV-Empfindlichkeit der Haut nachweislich – Studien sprechen von einer um bis zu 50 Prozent gesteigerten Sonnenbrandanfälligkeit. Wer ohne konsequenten Lichtschutz peelt, riskiert nicht nur Sonnenbrand, sondern genau jene Pigmentverschiebungen, die er eigentlich bekämpfen wollte. Bei Melasma kann eine falsch begleitete Glycolsäure-Anwendung das Bild deutlich verschlechtern.
Überpeeling erkennen
Die typischen Zeichen einer geschädigten Barriere: Die Haut glänzt speckig, fühlt sich gleichzeitig rau an, brennt bei Produkten, die sie vorher problemlos vertragen hat, und reagiert auf Temperaturwechsel mit Rötung. Wer diesen Zustand ignoriert und weiterpeelt, verlängert die Regeneration von zwei Wochen auf mehrere Monate.
Wann Glycolsäure tabu ist
Bei aktiver Rosazea, akuter Neurodermitis, perioraler Dermatitis oder frisch behandelter Haut nach Laser- und Nadelbehandlungen ist Glycolsäure kontraindiziert. In Schwangerschaft und Stillzeit gilt sie in Konzentrationen bis zehn Prozent als unbedenklich, da die systemische Aufnahme minimal ist – professionelle Peelings ab 20 Prozent sollten jedoch pausiert werden.
Anwendung Schritt für Schritt
Konzentration richtig einordnen
Für die Heimanwendung sind fünf bis zehn Prozent der sinnvolle Bereich. Alles darüber gehört in professionelle Hände. Kosmetische Peelings arbeiten mit 20 bis 70 Prozent und werden neutralisiert – ein Verfahren, das ohne Ausbildung nicht sicher durchführbar ist.
Frequenz aufbauen
Der häufigste Anfängerfehler ist der sofortige tägliche Einsatz. Beginnen Sie mit einer Anwendung pro Woche, abends. Nach drei bis vier Wochen ohne Reizung steigern Sie auf zweimal wöchentlich. Mehr als drei Anwendungen pro Woche bringen bei den meisten Hauttypen keinen zusätzlichen Nutzen, wohl aber zusätzliches Risiko.
Reihenfolge und Einwirkzeit
Glycolsäure kommt nach der Reinigung auf die trockene Haut. Und trocken heißt trocken: Feuchtigkeit auf der Hautoberfläche verstärkt die Penetration und damit die Reizung. Warten Sie nach der Reinigung mindestens zehn Minuten. Nach dem Auftragen der Säure genügen weitere fünf bis zehn Minuten, bevor die Feuchtigkeitspflege folgt. Das oft zitierte 20-Minuten-Warten ist überzogen.
Leave-on oder Wash-off
Toner und Seren zum Aufliegen wirken stärker, weil die Kontaktzeit länger ist. Wash-off-Peelings mit höherer Konzentration bei kurzer Einwirkzeit sind für empfindliche Haut oft die bessere Wahl – sie lassen sich sekundengenau steuern und bei Bedarf sofort abspülen.
Sonnenschutz ist nicht verhandelbar
Ein Lichtschutzfaktor 50 am Folgetag ist keine Empfehlung, sondern Bedingung. Ohne ihn ist die Glycolsäure-Anwendung nicht nur wirkungslos, sondern kontraproduktiv.
Kombinationen: Was passt zusammen, was nicht
Glycolsäure und Retinol gehören nicht in dieselbe Routine am selben Abend. Beide beschleunigen die Zellerneuerung, gemeinsam überfordern sie die Barriere. Wechseln Sie ab: Montag Säure, Mittwoch Retinol, Freitag Säure.
Bei Vitamin C, genauer bei Ascorbinsäure, existiert ein pH-Konflikt. Beide brauchen ein saures Milieu, konkurrieren aber um die Stabilität. Die praktische Lösung ist simpel: Vitamin C morgens, Glycolsäure abends.
Der Mythos, Niacinamid und Säuren würden sich gegenseitig neutralisieren, hält sich hartnäckig. Er stammt aus Laborversuchen mit hohen Temperaturen und ist auf der Haut irrelevant. Beide Wirkstoffe lassen sich problemlos kombinieren – Niacinamid unterstützt sogar die Barriere.
Ideale Partner sind Ceramide, Panthenol und Hyaluronsäure. Sie füllen auf, was die Säure abträgt. Nach Waxing, Rasur oder Microneedling gilt eine Pause von mindestens 48 Stunden.
Hilfe bei Problemen: Troubleshooting
Anhaltendes Brennen
Sofort mit lauwarmem Wasser abspülen, keine Reinigungsprodukte. Anschließend eine reichhaltige, wirkstofffreie Creme mit Panthenol oder Ceramiden auftragen. Peelingpause von mindestens zehn Tagen.
Trockenheit trotz Peeling
Der klassische Überpeeling-Kreislauf: Die Haut fühlt sich rau an, also wird häufiger gepeelt, wodurch die Barriere weiter geschwächt wird und die Rauheit zunimmt. Der einzige Ausweg ist der komplette Stopp aller Wirkstoffe.
Purging oder echte Reaktion?
Purging tritt dort auf, wo Sie ohnehin zu Unreinheiten neigen, dauert maximal vier bis sechs Wochen und heilt schneller ab als üblich. Erscheinen Pusteln an untypischen Stellen oder halten sie länger an, handelt es sich um eine Unverträglichkeit – absetzen.
Flecken werden dunkler
Fast immer die Folge unzureichenden Lichtschutzes oder zu hoher Frequenz. Bei Melasma zusätzlich hormonelle Faktoren prüfen. Peeling pausieren, Lichtschutz maximieren, nach vier Wochen neu bewerten.
Wann zur Hautärztin
Bei Blasenbildung, weißlichen Verfärbungen, Nässen oder Reaktionen, die nach 72 Stunden nicht abklingen, ist ärztliche Abklärung notwendig.
Die 14-Tage-Regenerationsroutine
Milde Reinigung ohne Tenside, ein Serum mit Panthenol und Hyaluronsäure, eine Creme mit Ceramiden und Cholesterol, morgens Lichtschutzfaktor 50. Keine Säuren, kein Retinol, keine Vitamin-C-Seren, keine Reinigungsbürsten. Nach 14 Tagen langsamer Wiedereinstieg mit halber Frequenz.
Praxistipps aus dem Kosmetikstudio
Der Patch-Test funktioniert nur, wenn er über drei aufeinanderfolgende Tage an derselben Stelle hinter dem Ohr oder am Kieferwinkel durchgeführt wird. Eine einmalige Anwendung sagt nichts über kumulative Reizung aus.
Die Uhrzeit spielt eine Rolle: Abends ist die Barrierefunktion natürlicherweise reduziert, gleichzeitig entfällt die unmittelbare UV-Belastung. Wer morgens peelt, arbeitet gegen die Hautphysiologie.
Glycolsäure verliert an Wirkung. Angebrochene Produkte sollten innerhalb von sechs Monaten aufgebraucht werden, dunkel und kühl gelagert. Eine Braunfärbung deutet auf Oxidation hin.
Passen Sie die Frequenz saisonal an. Bei einem UV-Index über sechs ist eine Reduktion auf eine Anwendung pro Woche sinnvoll. Im Winter darf es mehr sein.
Ein professionelles Peeling ist überlegen, wenn tiefere Pigmentstörungen, Aknenarben oder starke Verhornungen vorliegen. Die kontrollierte Neutralisation ermöglicht Konzentrationen, die zu Hause fahrlässig wären.
Fazit
Glycolsäure lohnt sich für Menschen mit robuster, normaler bis öliger Haut, die ein ungleichmäßiges Hautbild, feine Linien oder Pigmentflecken verbessern möchten – und die bereit sind, ganzjährig konsequent Sonnenschutz zu tragen. Sie lohnt sich nicht für empfindliche, entzündliche oder bereits geschädigte Haut. Dort sind Milchsäure oder Polyhydroxysäuren die klügere Wahl.
Drei Faktoren entscheiden über Erfolg oder Schaden: die richtige Konzentration in Verbindung mit einem angegebenen pH-Wert, eine langsam aufgebaute Frequenz von maximal zwei bis drei Anwendungen pro Woche und ein Lichtschutz, der nicht zur Diskussion steht. Wer diese drei Punkte beherzigt, bekommt einen Wirkstoff, der hält, was er verspricht. Wer sie ignoriert, bekommt genau die Probleme, vor denen gewarnt wird.
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Das Herzstück der Routine. Achten Sie auf eine Konzentration zwischen fünf und zehn Prozent und – entscheidend – auf eine Angabe des pH-Werts zwischen 3,5 und 4,0. Fehlt diese Angabe, lässt sich die tatsächliche Wirkstärke nicht einschätzen. Einsteiger greifen zu Formulierungen mit gepufferten Systemen und zugesetzten beruhigenden Komponenten. Auftragen abends auf vollständig trockene Haut, zunächst einmal wöchentlich.
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Glycolsäure Toner
Der sanftere Einstieg gegenüber dem Serum, weil die Wirkstoffkonzentration in Tonern meist niedriger liegt und die Verteilung gleichmäßiger ausfällt. Ideal für alle, die zunächst testen wollen, wie ihre Haut auf AHA reagiert. Nicht mit einem Wattepad grob über das Gesicht reiben – das erzeugt mechanische Reizung zusätzlich zur chemischen. Sanft auftupfen genügt.
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Sonnencreme LSF 50 fürs Gesicht
Kein optionales Produkt, sondern die Bedingung dafür, dass Glycolsäure überhaupt sinnvoll eingesetzt werden kann. Ohne konsequenten Lichtschutz verschlechtern sich Pigmentflecken statt zu verblassen. Wählen Sie eine leichte Textur, die Sie täglich gern auftragen – die beste Sonnencreme ist die, die tatsächlich benutzt wird. Für den Gebrauch unter Make-up eignen sich Fluid- oder Gelformulierungen.
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Ceramide Creme
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Panthenol Serum
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Hyaluronsäure Serum
Ergänzt die Barrierepflege um die Feuchtigkeitskomponente. Da Glycolsäure die Hornschicht durchlässiger macht, dringen Feuchtigkeitsspender anschließend besser ein. Wichtig für die Praxis: Hyaluronsäure auf feuchter Haut anwenden und immer mit einer Creme versiegeln – in trockener Umgebungsluft entzieht sie sonst der Haut selbst Wasser.
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Glycolsäure Bodylotion
Für Verhornungsstörungen an Oberarmen, Oberschenkeln und Ellenbogen. Keratosis pilaris – die typischen rauen Pünktchen – reagiert häufig deutlich besser auf AHA-Körperlotionen als auf mechanische Peelings. Konzentrationen zwischen fünf und zwölf Prozent sind hier üblich, da die Körperhaut robuster ist als die Gesichtshaut. Nicht direkt nach der Rasur auftragen.
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pH Teststreifen für Kosmetik
Das unterschätzte Werkzeug für alle, die ihre Produkte wirklich verstehen wollen. Da viele Hersteller den pH-Wert verschweigen, lässt sich mit Teststreifen in Sekunden prüfen, ob ein Serum überhaupt im wirksamen Bereich liegt – oder ob es bei pH 4,8 lediglich als Fruchtsäureprodukt vermarktet wird. Auch zur Kontrolle nach längerer Lagerung sinnvoll.
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Häufige Leserfragen zur Glycolsäure
Wie schnell sieht man erste Ergebnisse mit Glycolsäure?
Der Glättungseffekt zeigt sich meist nach zwei bis drei Anwendungen – die Haut fühlt sich weicher an und reflektiert Licht gleichmäßiger. Das ist jedoch ein reiner Oberflächeneffekt. Die tatsächlich relevanten Veränderungen brauchen Geduld: Pigmentflecken hellen über acht bis zwölf Wochen auf, feine Linien reagieren erst nach drei bis sechs Monaten kontinuierlicher Anwendung.
Tipp: Fotografieren Sie Ihr Gesicht alle vier Wochen bei gleichem Tageslicht und ohne Make-up. Im Spiegel bemerkt man graduelle Veränderungen kaum – im Vergleichsbild sofort.
Kann ich Glycolsäure jeden Tag anwenden?
In den allermeisten Fällen nein. Zwei bis maximal drei Anwendungen pro Woche liefern bei den gängigen Konzentrationen zwischen fünf und zehn Prozent das gesamte Wirkspektrum. Eine tägliche Anwendung steigert nicht das Ergebnis, sondern ausschließlich das Risiko einer geschädigten Barriere. Wer täglich peelt, hat nach etwa vier bis sechs Wochen typischerweise schlechtere Haut als zu Beginn.
Tipp: Notieren Sie Ihre Anwendungstage im Kalender. Die häufigste Ursache für Überpeeling ist nicht Absicht, sondern der Verlust des Überblicks.
Was ist der Unterschied zwischen Glycolsäure und Salicylsäure?
Glycolsäure ist wasserlöslich und arbeitet auf der Hautoberfläche – zuständig für Textur, feine Linien und Pigmentflecken. Salicylsäure ist fettlöslich, dringt in den Talgkanal ein und löst dort Verstopfungen. Sie ist der Wirkstoff der Wahl bei Mitessern, verstopften Poren und unreiner Haut.
Tipp: Bei Mischhaut lassen sich beide sinnvoll kombinieren – Salicylsäure gezielt in der T-Zone, Glycolsäure großflächig an einem anderen Abend.
Muss ich nach dem Auftragen von Glycolsäure warten, bevor die Creme kommt?
Fünf bis zehn Minuten reichen aus. Die oft empfohlene Wartezeit von zwanzig oder dreißig Minuten stammt aus der Zeit, als man annahm, die Feuchtigkeitspflege würde die Säure „neutralisieren”. Das tut sie nicht – der pH-Wert der Haut selbst reguliert sich innerhalb weniger Minuten. Deutlich wichtiger als die Wartezeit danach ist die Wartezeit davor: Tragen Sie Glycolsäure nie auf feuchte Haut auf.
Tipp: Feuchte Haut steigert die Penetration erheblich. Nach der Reinigung mindestens zehn Minuten warten, bis die Haut vollständig trocken ist.
Warum bekomme ich seit Beginn der Anwendung mehr Pickel?
Wahrscheinlich handelt es sich um Purging. Durch die beschleunigte Zellerneuerung kommen bereits angelegte Unreinheiten schneller an die Oberfläche. Erkennungsmerkmal: Die Pusteln erscheinen dort, wo Sie ohnehin zu Unreinheiten neigen, und heilen schneller ab als gewohnt. Der Prozess dauert maximal vier bis sechs Wochen.
Tipp: Treten Unreinheiten an untypischen Stellen auf – etwa an Wangen, wenn Sie sonst nur die T-Zone betroffen haben – ist es kein Purging, sondern eine Unverträglichkeit. Absetzen.
Ist Glycolsäure in der Schwangerschaft erlaubt?
Konzentrationen bis zehn Prozent gelten als unbedenklich, da die systemische Aufnahme über die Haut minimal ist. Professionelle Peelings ab zwanzig Prozent sollten während Schwangerschaft und Stillzeit pausiert werden. Zu bedenken ist zusätzlich, dass die Haut hormonell bedingt empfindlicher reagiert und Melasma in dieser Zeit häufiger auftritt.
Tipp: Gerade in der Schwangerschaft ist der Lichtschutz doppelt wichtig. Schwangerschaftsbedingte Pigmentflecken verstärken sich unter UV-Einfluss besonders schnell.
Woran erkenne ich, dass meine Hautbarriere geschädigt ist?
An einer Kombination widersprüchlicher Signale: Die Haut glänzt, fühlt sich aber gleichzeitig rau an. Produkte, die vorher problemlos vertragen wurden, brennen plötzlich. Temperaturwechsel führen zu Rötungen. Häufig kommt ein Spannungsgefühl hinzu, das sich auch nach dem Eincremen nicht löst.
Tipp: Setzen Sie sofort alle Wirkstoffe ab – Säuren, Retinol, Vitamin C. Vierzehn Tage nur milde Reinigung, Panthenol, Ceramide und Lichtschutz. Ein Wiedereinstieg danach erfolgt mit halber Frequenz.
Warum werden meine Pigmentflecken dunkler statt heller?
In nahezu allen Fällen liegt es an unzureichendem Sonnenschutz. Glycolsäure erhöht die UV-Empfindlichkeit messbar – wer ohne konsequenten Lichtschutzfaktor 50 peelt, provoziert genau jene Pigmentreaktion, die er behandeln wollte. Bei Melasma kommt hinzu, dass die Entzündungsreaktion durch zu häufiges Peelen selbst die Melaninproduktion anregt.
Tipp: Lichtschutz auch an bewölkten Tagen und im Winter. UVA-Strahlung, verantwortlich für Pigmentveränderungen, durchdringt Wolken und Fensterglas nahezu ungehindert.
Letzte Aktualisierung am 19.07.2026 / Affiliate Links / Bilder von der Amazon Product Advertising API